Wie hat sich die seit März 2020 andauernde Krise auf das Event-Catering ausgewirkt und welche neuen Entwicklungen gibt es?

Die Krise, die wir alle seit eineinhalb Jahren durchleben, flaut langsam ab.
Obwohl sie den Veranstaltungssektor, insbesondere das Event-Catering, hart getroffen hat, nutzten einige Akteure der Branche die Situation, um sich durch Erschließung neuer Geschäftsfelder oder vermehrte Investition in bereits bestehende Tätigkeitsbereiche auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Gerne geben wir an dieser Stelle die Erfahrungsberichte dreier unserer Kunden, Groupe Butard Paris, Fleur de Mets und La Maison Lenôtre, wieder. Sie geben Aufschluss über die Lage, in der sie sich derzeit befinden, sowie ihre Zukunftsvision.

 

GROUPE BUTARD PARIS
Groupe BUTARD Paris, seit 33 Jahren bedeutender Akteur des Event-Catering in Frankreich, ist ein unabhängiger familiengeführter Konzern und der größte unabhängige Caterer Frankreichs.
Das wichtigste Standbein des Unternehmens sind zwei Catering- und Veranstaltungsmarken (Butard-Enescot, Raynier Marchetti). Hinzu kommen außergewöhnliche Veranstaltungsorte (Pavillon d'Armenonville, Hôtel Le Marois), Gastronomieangebote für die breite Öffentlichkeit (Station Paris) und traditionelle Gastronomiebetriebe (Le Bistrot de Paris, Chez René, Savy).
Mit mehr als 4000 Events im Jahr 2019 und 100 Veranstaltungsorten im Repertoire waren die Aussichten für 2020 sehr gut. Jedoch sah sich die Gruppe – wie so viele andere auch – ab März 2020 ganz plötzlich einer Krise gegenüber, die in Dauer, Stärke und Ausmaß einzigartig in der Geschichte des Unternehmens ist.
Als unabhängiger Konzern, der sich zu 100 % im Besitz der Familie Paul befindet und mit der erforderlichen Sorgfalt und Vorsicht geführt wird, konnte die Krise effizient bewältigt werden: Ein Sozialplan konnte vermieden und vor allen Dingen konnte die Zukunft des Unternehmens vorbereitet werden.
In dieser Zeit konnten die Teams umstrukturiert und die Arbeit rationalisiert werden, um das Unternehmen agiler zu machen, aber vor allem um in folgenden drei Bereichen neue Geschäftsfelder zu erschließen und auszubauen:
  • Eröffnung digitaler Event-Studios im Pavillon d’Armenonville und im Hôtel Le Marois in Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern, um den Kunden weiterhin Räume für ihre Kommunikationskampagnen zu bieten: Da B2B-Geschäft das historische Kerngeschäft der Gruppe ist, fügte sich dieses Projekt ganz natürlich in das Unternehmen ein.
  • Ausbau des B2C-Geschäfts: Die Gruppe bot bereits vor der Krise in begrenztem Maße Dienstleistungen für private Veranstaltungen (Hochzeiten usw.) an, wollte diesen Tätigkeitsbereich jedoch ausweiten. So wurde beispielsweise beschlossen:
    • in der Weihnachtszeit 2020 einen solidarischen Lebensmittelverkauf per Click and Collect an den verschiedenen Standorten der Gruppe zu organisieren, dessen Erlös einer wohltätigen Einrichtung gespendet wurde. Diese Aktion, die auch darauf abzielte, die Verbraucher direkt anzusprechen, war ein großer Erfolg und stieß auf reges Interesse.
    • Station Paris einzuführen, womit sich Groupe Butard Paris auch auf die Bewirtung von Veranstaltungen für ein großes Publikum spezialisiert und worüber bei Großveranstaltungen Speisen und Getränke verkauft werden.
  • Erweiterung des Angebots an traditionellen Restaurants durch die Eingliederung von bisher drei Pariser Adressen in die Gruppe
Das Catering und das Eventmanagement stehen bei der Gruppe im Mittelpunkt und werden dies auch weiterhin tun.
Diese schwierige Zeit hat jedoch die Notwendigkeit zur Anpassung, Innovation und Erschließung neuer Geschäftsfelder deutlich gemacht, die selbstverständlich die Werte der Gruppe widerspiegeln müssen: Qualität bei Essen, Service und Leistung!“

 

FLEUR DE METS
Fleur de Mets, ein großer Pariser Caterer und Eventveranstalter, existiert seit 2003, betreut 1000 Geschäftskunden in beinahe 350 Lokation in Paris und Umgebung und organisierte 2019 mehr als 1200 Empfänge, auch in Zusammenarbeit mit Veranstaltern von großen Events wie den Messen „Paris PHOTO“ und „Maison&Objet“ oder dem Stade de France.
Die epidemische Lage führte 2020 zu nahezu leeren Auftragsbüchern, was Fleur de Mets stark zusetzte und den Caterer zwang, viel Energie auf die eigentliche Unternehmensführung zu verwenden, um diese sehr schwierige Zeit zu überstehen und sich gleichzeitig auf den erneuten Anstieg der Nachfrage vorzubereiten.
In dieser Zeit wurde intensiv daran gearbeitet, sich auf die Zukunft vorzubereiten und die Erwartungen und Bedürfnisse der Geschäftskunden besser erfüllen zu können:
  • Umstrukturierung, Vereinfachung und Modernisierung des Angebots zur Erreichung von mehr Effizienz, Kundenverständnis, Personalisierungsmöglichkeiten und Anpassung an Kundenbedürfnisse. So entstand mit der Devise von Fleur de Mets „Luxus bedeutet, die Wahl zu haben, keine zu treffen“ („Le Luxe c’est d’avoir le choix de ne pas en faire“) die sogenannte „Nuancenkarte“, die sämtliche Angebote und Dienstleistungen des Unternehmens abdeckt. Dank ihr kann dem Kunden eine Komplettlösung für verschiedene Veranstaltungsarten (Cocktailempfang, Speisen bei Tisch, Geschäftstreffen, Großveranstaltung) geboten werden, die auf Atmosphäre, Stimmung und Farbgebung, die sich der Kunde wünscht, abgestimmt ist.  Die Kundenreaktionen waren bisher bereits sehr positiv.
  • Umsetzung einer besonders proaktiven CSR-Unternehmenspolitik (Corporate Social Responsibility): Fleur de Mets ist seit Januar 2019 nach Norm ISO 20121 (Norm für nachhaltiges Eventmanagement) zertifiziert.
    • Durch die Berücksichtigung ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und ethischer Aspekte bei allen Tätigkeiten ist es Fleur de Mets nun beispielsweise möglich, klimapositive Veranstaltungen von der Planung bis hin zur Umsetzung anzubieten oder den CO2-Fußabdruck des gewählten Menüs zu messen!
    • Diese Unternehmenspolitik führte beispielsweise dazu, dass ausschließlich französisches Fleisch und Champagner aus nachhaltigem Anbau mit dem französischen HVE-Zertifikat verwendet werden und dass Mitarbeiter mit Handicap eingesetzt werden.
„Fleur de Mets konzipiert Veranstaltungen von kurzer Dauer mit nachhaltiger Wirkung.“
Die Krise hat die Sichtweise vieler Unternehmen verändert und CSR wird nun zum Muss im B2B-Bereich und bei Großkunden. Die Authentizität und Ernsthaftigkeit, mit der Fleur de Mets diese Politik im gesamten Unternehmen umsetzt, ist spürbar und stößt bei seinen Kunden auf große Resonanz.
Das Geschäft ist wieder gut angelaufen, auch wenn es natürlich von der Gesundheitslage abhängig ist und folglich eine Restunsicherheit bestehen bleibt. Nichtsdestotrotz geht es bergauf: Es werden wieder Aushilfen benötigt, aber vor allen Dingen ist die Lust der Kunden, nach den langen Monaten der Einschränkung wieder zusammenzukommen, zu feiern und Events auf die Beine zu stellen groß, wenn nicht sogar größer zuvor.
Fleur de Mets ist auf den Aufschwung vorbereitet und hat alles dafür getan, damit das Unternehmen in eine positive Zukunft blicken kann.“

 

MAISON LENÔTRE
„Seit seiner Gründung durch Gaston Lenôtre im Jahr 1957, stellt das Unternehmen Maison Lenôtre seine Handwerkskunst, Kreativität und sein außerordentliches Können in den Dienst des guten Geschmacks, mit dem Ziel, stets nur das Beste der französischen Küche zu bieten.
Seit 2004 steht Guy Krenzer, Kreativdirektor und zweimaliger „Meilleur Ouvrier de France“ (französische Auszeichnung für herausragende Vertreter eines Handwerks), dem bemerkenswertesten Küchenteam Europas vor, bestehend aus sechs „Meilleurs Ouvriers de France“.
Lenôtre ist mit elf Läden in Frankreich vertreten, ist aber auch international gut aufgestellt (Deutschland, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Japan und China), wobei das Unternehmen stets bestrebt ist, sein Know-how zu exportieren und den guten Ruf der französischen Küche in der ganzen Welt zu fördern.
Das engagierte und verantwortungsbewusste Unternehmen Maison Lenôtre setzt auf saisonale Produkte, kurze Lieferwege, lokale Beschaffung und kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, indem es alle Abfälle recycelt und die nicht verkauften Produkte an Vereine weitergibt.
Die Zeiten sind geschäftig für Maison Lenôtre: Der Herbst steht mit der Eröffnung eines zweiten Ladens in China unter dem Zeichen der internationalen Expansion sowie der Einweihung einer neuen Kochschule, der „École des Arts Culinaires Lenôtre“ in Rungis, am Rande von Paris.
Den guten Ruf der französischen Gastronomie international zu fördern und dabei die Besonderheit von hausgemachten Produkten mit der Weitergabe seiner Fachkompetenz zu verbinden, ist das große Ziel des Unternehmens Maison Lenôtre.“

 

Diese Erfahrungsberichte verdeutlichen die Willensstärke der drei Unternehmen, ihren Wunsch, sich weiterzuentwickeln und in dieser besonders schwierigen Zeit nicht einfach aufzugeben, den Wunsch, diese Krise sogar ins Gegenteil, in eine Chance zu verwandeln, den Wunsch, über sich hinauszuwachsen, sich neu zu erfinden und sich anzupassen, um eine Zukunft und eine Weiterführung ihrer Tätigkeit zu ermöglichen. Dieser Umgang mit der Krise ist zweifelsohne der richtige Weg.

Bei den Caterern zeichnet sich die Wiederbelebung der Nachfrage ab, das Geschäft entwickelt sich dynamisch. Die Kunden kommen zurück – die Lust, sich wieder zu treffen, ist deutlich spürbar. Doch neue Hindernisse aufgrund eines kritischen Personalmangels von mehr 100 000 Leuten zeichnen sich ab!

Wen wundert’s?
Während ihre Arbeitgeber gezwungen waren, ihre Tätigkeit für viele Monate einzustellen, wurden die Aushilfskellner für eine lange Zeit ihrem Schicksal überlassen, ohne Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder andere dieser Krise entsprechende Beihilfen ... und das, wo doch die öffentlichen Stellen selbst so stark auf Aushilfen angewiesen sind! Dies entbehrt jeglicher Logik und zeigt mangelnde Empathie.

Es sollte uns also nicht überraschen, dass viele Aushilfen sich dazu entschieden haben, umzusatteln. Wer könnte es ihnen verübeln?

 

Küche, Gastronomie und Service – dies alles gehört zur französischen Lebensart, ist fester Bestandteil des sogenannten „French Touch“. Diese Lebensweise muss nicht nur verteidigt, sondern vor allen Dingen geschützt und weiterentwickelt werden, genauso wie die Unternehmen und Arbeitnehmer, die für diese Lebensweise stehen. Und dafür – so interessant die Initiative auch sein mag – reicht eben die Gründung einer französischen Eliteschule für Gastronomie nicht aus.

 

Groupe Butard Paris, Fleur de Mets und Maison Lenôtre, wir danken herzlich für den gebotenen Einblick und wünschen den verdienten Erfolg.

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